
WO DIE WEGE BRÖCKELN
ReHIKE – Analyse der Auswirkungen des Gletscherrückgangs auf die alpine Wanderinfrastruktur mithilfe von Erdbeobachtung
Informationsbedarf im Management der alpinen Wanderinfrastruktur
Der Gletscherrückgang und die geomorphologischen und periglazialen Prozesse in der alpinen Umgebung wirken sich stark auf die alpine Wanderinfrastruktur aus mit potenziell gravierenden Folgen für den Bergsport und den Sommertourismus in Hochgebirgsregionen. Bergsteiger:innen führen ihre Touren auf der Grundlage des gutgepflegten Wegenetzes, den Übernachtungsmöglichkeiten auf Hütten und aktuellen kartografischen Karten durch, die von Alpenvereinen und lokalen Tourismusanbietern bereitgestellt werden. Der Sommertourismus in den Alpen steht jedoch vor großen Veränderungen, da der Klimawandeln zu einer hohen Dynamik des Gletscherrückgang geführt hat. Seine Auswirkungen können zu Wegschäden und erhöhten Risiken für Bergsteiger:innen führen.
Daher benötigt das Management alpiner Wanderinfrastruktur, die kartografischen Abteilungen der alpinen Vereine, die Bergsteiger:innen und die lokalen Tourismusakteure genauere und aktuellere Informationen zum aktuellen Gletscherrückgang und den geomorphologischen und periglazialen Prozessen in der alpinen Umgebung sowie zu den Auswirkungen auf die alpinen Wanderinfrastruktur und das potenzielle Risiko für Bergsteiger:innen. Derartige Informationen können mit Erdbeobachtungsdaten (EO) des europäischen Copernicus-Programms erstellt werden.

Ziele und Innovationsinhalte
Im Projekt ReHIKE (Analysing Glacier Retreat Effects on Alpine Hiking Infrastructure using Earth Observation) gehen wir über den Stand der Technik hinaus, indem wir mit Hilfe von EO-Daten kategorisierte, aktuelle und anwendbare Karten entwickeln, die Gebiete ausweisen, die für Naturgefahren anfällig sind und einen höheren Instandhaltungsbedarf haben. Zu diesem Zweck nutzen wir EO- und Geoinformatik-Techniken zur Kartierung der Veränderungen von Gletschern und umliegenden periglazialen Gebieten. Wir analysieren die Auswirkungen des Gletscherrückgangs auf das alpine Wegenetz in der Nähe ausgewählter vergletscherter Gebiete entlang des Hauptkamms der österreichischen Alpen. Wir verwenden eine Zeitreihenanalyse von Sentinel-1- und -2-Daten aus dem Copernicus-Programm, um für jedes Jahr der Zeitreihe die Gletscherausdehnung und die Merkmale des Gletschervorlandes zu kartieren, die Instabilität von Hängen zu überwachen und Massenbewegungen zu identifizieren. Wir nutzen diese Kartierungen, um die kollektiven Auswirkungen der unterschiedlichen Prozesse auf die alpine Wanderinfrastruktur in Gefährdungsstufen nach ihrem Schadenspotenzial für Wege und dem potenziellen Risiko für Bergsteiger:innen einzuordnen. Die so erzeugten Gefährdungskarten werden mit dem Wegenetz verschnitten, um die Gefährdungsstufe je Wegabschnitt festzustellen. Auf der Grundlage dieser Analyseuntersuchen wir, wo das Schadens- und Gefährdungspotenzial auf Wegabschnitten zugenommen hat, wo es gleichgeblieben ist und wo es gegebenenfalls schon zu einer Entspannung gekommen ist.
Erwartete Ergebnisse
Diese Kartierungsergebnisse helfen den Betreibern der alpinen Wanderinfrastruktur, den Aufwand für die Instandhaltung der Wege und für das Sicherheitsmanagement in den kommenden Jahren zu bewerten. Die kartografischen Abteilungen der Alpenvereine können diese Informationen in ihre digitalen Karten und Online-Plattformen für Bergsteiger:innen aufnehmen, die so für die bestehenden Risiken sensibilisiert werden und ihre Routenplanung verbessern können, damit das Bergsteigen sicherer wird.